Samstag, 11. August 2012
Unser Mann heisst Bruno- oder Marina trinkt Urin!
Ersteinmal Entschuldigung fuer unser diskontinuierliches Bloggen... Wir geben uns Muehe, in der naechsten Woche haufiger zu schreiben.
Wir muessen aber immer in die Bibliothek und die ist oefters mal verschlossen... Gerade ist sie zwar offen- sonst koennten wir kein Lebenszeichen von uns senden, aber ueber uns arbeiten Handwerker am Solarsystem... WIr hoffen, dass die Decke nicht zusammenbricht. VOr der Bibliothek lagen schon Gesteinsbrocken...

Ansonsten koennen wir heute ueber viele neue Erlebnisse berichten. Am Donnerstagabend waren wir ja mit Luseicelo im Embassy. Dort gab es wie auch schon die beiden anderen Male... Rindfleisch mit Sosse, Reis und MAAAAAAAAAAAAANGOLD… Wir sind langsamm schon gruen an der Nasenspitze vom ganzen Mangold… :) Aber es schmeckt ja :) Es gab auch noch sowas wie Ruehrei, Linsen und ndizi (Bananen- anderes Obst ist eher selten). Das Problem an der Sache war, dass wir nicht gehen durften, bevor alles aufgegessen wurde… Das endete bei Marina in Mikraene und bei Katharina in Magenkraempfen. Juhu!
Auf dem Heimweg fanden wir jedoch eine Schneiderin bzw. Designerin, die fuer sage und schreibe 7,50 Euro einem ein massgefaertigtes Kleid bastelt. Morgen soll es fertig sein. Wir sind gespannt.
Am Freitag war Peter endlich wieder im Krankenhaus anwesend. Katharina sah ihn jedoch nur eine Minute, bevor sie im OP verschwand. Nach einem erfolgreichen Kaiserschnitt versprach der gestrige Tag wieder ein schooner im Sinne der Geburtshilfe zu warden. Wir durften bei der Geburt den Dammschutz gewaehrleisten und die Plazenta herausluxieren. Naechste Woche klappt es vielleicht, dass wir allein der werdenden Mutter Hilfestellung geben.
Der ein oder andere Leser ist sicherlich ueber den Titel des heutigen Beitrages gestolpert. Bruno ist ein Mann (schaetzungsweise Ende 50) aus Lichtenstein, der sich sehr fuer die Weiterentwicklung des Lugala Hospitals einsetzt. So geht der Umbau der noch viel zu kleinen Maternaty auf seine Kappe. Ausserdem hilft er in der Umgebung Brunnen zu Bauen und so erhalten. Nur um mal zwei Beispiele zu nennen. Fuer uns ist Bruno auf jeden Fall eine Ueberschrift wert!
Er brachte im Uebrigen zahlreiche Babymuetzen und –schuhe mit. Diese verteilten wir gestern an alle Neugeborenen auf der Geburtstation. Dies ermoeglichte uns zahlreiche schoene Fotos zu schiessen. Freut euch also auf den Afrikaabend, wenn wir wieder im Lande sind.
Wir wollen dies gleich als Aufruf nutzen, um euch zu animieren, selber die Stricknadel in die Hand zu nehmen, damit wir ebenfalls der ein oder anderen Mutter eine kleine Freude machen koennen. Also fragt Omas, Mamas oder lernt es doch einfach selber! :) Wir hoffen, ihr seid mit den ersten Exemplaren fertig, bis wir wieder zu Hause sind!
Der gestrige Tag ging noch sehr lange… Erst bei beginnender Dunkelheit, also gegen 18.30 verliessen wir die Klinik. Wir unterstuezten Peter in der Ambulanz. Der verkuendete uns, dass naechste Woche kaum Aerztepersonal anwesend sein wird… Montag kommt ausserdem noch ein weiterer Student aus Oesterreich.. Er verspricht eine spannende Woche zu werden!
Zum Abschluss noch das Highlight fuer Katharina am gestrigen Tages. Auf der Suche nach einer Patientin, sprach eine aeltere Dame Katharina an. Sie kamen ins Gespraech-sofern es ihr Swahiliwissensstand zuliess. Sie war die Omas des kleinen Babys auf ihrem Arm. Dieser kam am Donnerstag zur Welt. Leider hatte der kleine noch keinen Namen… Nichts leichter als das. Und so gab Katharina dem Neugeboren den Namen Konrad. Natuerlich gibt es davon auch Beweisfotos! :) Gluecklich und zufrieden- mit einem grossen Laecheln konnte man Katharina den Rest des Tages beobachten.
Heute am Samstag nahmen wir uns natuerlich vor auszuschlafen. Das misslang zwar gaenzlich. Aber nicht so schlimm, dachten wir, schliesslich wollten wir mit dem Rad und unserem Nachbarn Joshua die Umgebung erkunden… Der steckte jedoch den ganzen Tag im Meeting. Deshalb schwangen wir uns allein aufs Rad und fuhren wenigstens nach Malyni Essen einkaufen. Leider haben wir kein Wasser gefunden… Denn das grosse Problem: UNSER WASSER STINKT ERBAEHRMLICH!!! Es riecht nach fast allen Krankenhausgeruechen, die wir in den letzten Wochen genossen haben… Seit circa 7 Tagen konnten wir Bienen im Wasser finden. Mal 2, mal 5 in 10 Litern… Doch dann waren es auf einmal hunderte… Ein Bienenschwarm hatte sich im Wassertank verirrt… Ob es nun die Bienenkadaver sind, die den ueblichen Geruch verursachen oder doch noch etwas anderes, wissen wir nicht. Jedenfalls duschen (inkl. Haare) wir uns derzeit mit 4 Litern pro Waesche, denn das Wasserfass im Bad mit normalen Wasser neigt sich dem Ende…
Marina hat zudem dieses Wasser heute mit Teebeutelzusatz- als Tee selber kann man es nicht bezeichnen- zu sich genommen. Mit zugehaltener Nase. Katharina verzichtete freiwillig. In diesem Sinne denkt heute beim Grillen und einem Glaeschen Bier/Wein an uns und stosst auf uns an! Prost!



Donnerstag, 9. August 2012
Lebenszeichen!
Leider konnten wir uns die letzten Tage nicht melden, da es hier im Busch ab und zu mal etwas schwierig ist mit dem Internet…
Wir hoffen, dass wir heute am Donnerstag den 9. August endlich mal wieder etwas schreiben koennen. Doch bisher sieht es schlecht aus. Die Laempchen leuchten nur orange und nicht wie erhofft gelb…
Tjaaa, also wir wollen schon… nur das Internet hier will nicht so recht…
Nun aber ein paar der erhofften Informationen ueber unser Befinden. Nachdem nun jeder noch mal instruiert wurde, uns naehen zu lassen, kam auch Marina zum Zug und verpasste einer Frau eine wunderschoene Naht auf dem Handruecken. Kosmetisch einwandfrei.
Letzte Woche haben wir bereits von einem kleinen Patienten berichtet, der im Nirgendwo sich einer Beschneidung unterziehen musste. Leider sieht es Tag fuer Tag schlimmer aus… Und wir wissen nicht so recht, wie wir ihm helfen koennen. Das verordnete Sitzbad wird auch nicht wirklich oft durchgefuehrt und die Infektion hat sich ein wenig ausgebreitet…
Kurz vor Feierabend erschien noch ein junger sportlicher Mann, der beim Rennen in ein Loch gefallen war. Trotz intaktem Wadenbein, ist das Schienbein ordentlich zertruemmert. Leider hat er bis jetzt keine OP erhalten, da sich das ganze schwieriger als erwartet darstellt… Wir hoffen, dass er morgen endlich operiert wird. Vielleicht ja sogar auf dem neuem OP-tisch, der am Dienstag aus Torgau ankam…
So nebenbei erfuhren wir, dass Mittwoch ein Feiertag sei und keiner zur Arbeit kommt.
Also hatten wir gestern einen ruhigen Tag. Nach dem Fruehstueck schlugen wir den Weg in Richtung Krankenhaus ein, um uns ein paar Patienten anzusehen und in der Maternaty den Beatmungsbeutel fuer die Neugeborenen zu schrubben… Gesagt getan… Blitzeblank legten wir es in eine Kiste und hofften das beste.
Heute morgen fand ersteinmal ein Kaiserschnitt statt. Und siehe da, unser gestriegelter Ambubeutel fand sich ebenfalls im OP-saal ein. Nun duerft ihr mal raten, in welchem Zustand er ankam…
Gelb, dreckig, voller Miniameisen… Juhu, unser Anliegen hat Fruechte getragen.
Vom heutigen Tage koennen wir ansonsten ueber die huebsche Riesennaht von Katharina an einem Hoden berichten. Das wolltet ihr jetzt bestimmt alle wissen :-D
Heute Abend warden wir von Lusicello ins Embassy eingeladen. Er geht leider ab Morgen in den Urlaub und kommt erst an unserem letzten Tag zurueck. Alle die ihn von seinem Besuch in Torgau vor 5 Jahren kannten, Lusicello moechte in 2 Jahren wir einen Monat wiederkommen, um sich in Gynaekologie weiterzubilden. Wir freuen uns schon jetzt auf seinen Besuch.
Zu guter Letzt noch ein paar Infos ueber neugeschlossene Freundschaften in Tansania. Abgesehen, von Lusicello sind auch die Kinder hier im Ort sehr zugaenglich und besuchen uns taeglich auf unserer Terasse. Leider lockt dies auch unliebsamere Personen an. So wurden wir in den letzten Tagen immer wieder angebettelt. Jeder hat eine andere Story und der eine sagt er mal nix und steht schweigend da, andere sitzend zusammengekauert vor dem Haus, wieder andere sprechen uns in einem nahezu perfekten Englisch an. Frauen wollen Bananen, einer moechte seine Ausbildung finanziert bekommen, oder aber sie haben Schmerzen und wollen Medikamente… Mehr als “Sina (hela)” koennen wir ihnen nicht entgegnen. Und selbst wenn wir jemandem Geld geben wuerden, stuenden am naechsten Tag noch mehr vor der Tuer. Zumal nicht unbedingt diejenigen, die in der Ambulanz waren und gesagt bekommen haben, wie teuer die Behandlung ist bzw. jene, welche nur in Lumpen umherlaufem vor dem Guesthouse stehen. Eher sehen wir vor der Tuer Menschen, denen es ein Stueck besser geht, als vielen anderen…



Montag, 6. August 2012
Nina jifunza swahili!
Auch wenn wir uns ein ruhiges Wochenende vorgenommen haben, ein wenig Action schadet keinem.
Marina durchstreifte mit dem Motorrad die Gegend- wenn auch mit 30 km\h und wurde deshalb von allen ueberholt... Aber dafuer konnte sie die wunderschoene Umgebung hinter Lugala sehen. Kleine Lehmhuetten mit Buchsbaumhecken, Sonnenuntergaenge und Buschland soweit das Auge reicht.

Katharina traf auf dem Weg zum Guesthouse Peter, der sich ueber eine Assistenz bei einem Blindarmdurchbruch freute... Also gesagt getan. Da es hier nicht immer klappt mit dem Strom begab man sich mit der Taschenlampe auf dem Weg zum Patienten und durchleuchtete die Krankenzimmer.
Zur Belohnung fuer das Hakenhalten am Samstagabend, darf man dann auch schonmal den Patienten zunaehnen. Und jeder Student freut sich doch ueber ein wenig Praxis zwischen der vielen Theorie.

Am Sonntag besuchten wir den kleinen Bado. Er ist der Sohn von Onesmo und Maria, welche so lecker Huehnerbeine zubereiten koennen. Maria bekam naemlich am spaeten Samstagabend ihr erstes Kind. Der kleine ist zwar etwas zu frueh (deshalb auch der Name, der so viel heisst wie"noch nicht, schon"), aber bei einer Hebamme als Mutti, kann ja nicht mehr viel schiefgehen.
Auf dem Weg zu Mutter und Kind sahen wir ersteinmal, was passieren kann, wenn man ohne Helm Motorrad faehrt.... Ein junger Mann gelangte blutueberstroemt in die Ambulanz mit einer riesigen klaffenden Wunde am Schaedel... Der ist bestimmt nicht wie Marina 30 gefahren...

vom heutigen Tag koennen wir euch nicht allzu viel berichten, da unser Swahili nicht wirklich weit reicht.... Es wird wohl das beste sein, wenn wir uns untereinander auch nur noch auf swahili unterhalten... Peter, der deutsche Arzt ist gerade auf Exkurs in der Aussenstelle des Krankenhauses- stunden von hier entfernt... Deshalb rutschen die Aerzte schnell in ihre Muttersprache ab und wir koennen unsere Ohren noch so spitzen...
Auch kamen wir heute mal wieder an unsere Verstaendnisgrenzen bezueglich der hier praktizierten Medizin. Natuerlich ist unser Wissen bei weitem noch nicht ausgereift, aber dennoch sehen wir oft grosse Unterschiede, die nicht immer sein muessten. Aber wir muessen einfach akzeptieren, dass wir von einer maximal praktizierten Medizin zu einem Minimum gelangt sind. Sicherlich leben die Menschen hier ruhiger, denn wie schon erwaehnt ist Pole, pole nicht umsonst der Leitsatz. Sie belaecheln unsere schnelle Gangart und brauchen fuer alles etwas laenger. Aber sie kommen damit klar. Und wenn man fuer einige Zeit in einem so fremden Land ist, kann man nicht die dortige Welt veraendern. Man muss sich damit arrangieren und das Beste drauss machen.
Man lernt auch seine eigene Heimat sehr zu schaetzen. Welch Glueck man damit hat, begreift man erst, wenn man die Welt hier gesehen hat.
Damit wir aber die Kultur und die Menschen hier ein wenig besser verstehen, werden wir so viel wie moeglich deren Sprache lernen und Kontakt zu den Einheimischen pflegen.
Drum sagen wir an dieser Stelle baadaye (bis spaeter).