Mzungu-story TEIL 2
Im Laufe der Woche konnte jeder von uns assistieren und sich im Naehen austoben. Marina half eine Riesenzyste in der Groesse eines Handballs zu entfernen. Aber die schoenste OP war die OP bei einem Darmverschluss. Katharina und Manuel waren schnurstracks aus dem Saal verschwunden. Dem Geruch und der Katastrophe im Saal nach zu urteilen war es genau das Richtige! Es schwappte nur so aus dem Patienten... :) Bloss gut, dass man hier im OP Gummistiefel tragten kann!
Katharina stand am Tisch bei einem Notkaiserchnitt. Ruckzuck war das Kind draussen. Allerdings atmete es nicht. Doch statt vorher wie normal alles bereit gestellt zu haben, musste die Hebamme mit dem Neugeborenen durchs halbe Krankenhaus in die Maternaty rennen… Marina machte ihr Dampf unterm Hintern. Allerdings ist das “Pole, Pole” so stark in die Menschen hier eingebrannt, dass es in einer fuer uns unvollstellbaren Langsamkeit vorwaerts ging. Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass es das Kind geschafft hat. Wir werden gleich noch einmal in die Maternaty gehen und schauen, wie es ausschaut.
Gestern haben wir dort auch das erste verstorbene Baby gesehen. Ein paar Tage nach der Geburt war es wahrscheinlich an 6 Malariaparasiten und dessen Begleiterscheinungen (z.B. Unterzuckerung) gestorben. Die Oma band sich das Kind um die Brust und trug es davon. Was mit ihm geschehen ist, wissen wir nicht.
Nun sind es noch ein paar Tage und unser Praktikum ist vorbei. Gewonnen haben wir so einiges: medizinisches Wissen, Lebensweisheiten, mit wenig auskommen und vor allem dankbar, fuer unsere Herkunft zu sein. Immer wieder hoeren wir, wie gluecklich wir uns schaetzen koennen.
Fuer heute nehmen wir uns vor, zeitiger aus dem Krankenhaus zu verschwinden. Unser letztes Wochenende steht bevor. Mal sehen, ob wir den ein oder anderen Hippo zu Gesicht bekommen.
Jetzt gehen wir ersteinmal zu unserer Schneiderin. Wir haben es die ganze Woche nicht geschafft zu ihr zu gehen. Und in der Dunkelheit wollten wir auch nich quer Feld ein laufen :)
Wir wuenschen euch ein schoenes Wochenende! Meldet euch zahlreich bei uns! Noch 24 Tage!
PS: Die ersten Nahrungswuensche fuer zu Hause sind eingetroffen: Lieber Konrad, bitte koche mir gefuellte Champignons mit Kartoffelbrei! Und liebe Oma Diddi, ich wuensche mir Nudeleintopf mit hausgemachten Nudeln nach Familienrezept! DAAAAAAAANKE! :) Katharina
PPS: Marina hat bisher nur Brechreiz von der Kokossosse. Essenswuensche werden folgen.
marimarii am 17. August 12
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Mzungu-story TEIL 1
Zunaechst ersteinmal: Uns geht es ganz gut. Doxy zeigt seine zwar ein wenig seine Nebenwirkungen und das Wasser ist noch immer stinkend und ab und an mit Bienen versetzt. Ihr glaubt gar nicht, wie sparsam wir leben. Zum Duschen sind 1 Liter und Duschen mit Haare waschen (gilt nur fuer Personen mit langen Haaren) sind max. 4 Liter erlaubt. Denn wir haben noch ein wenig sauberes Wasser in der Riesentonne in unserem Badezimmer. Zum Trinken und Zaehneputzen koennen wir auch noch nicht wieder das Wasser vom Filterkanister in der Kueche nehmen. Leider ist seit gestern wieder teilweise selbst das stinkende Wasser alle und nix kommt mehr aus der Leitung. Das macht so manche notwendige Aktivitaet im Badezimmer zu einer grossen Herausforderung… Denn auch das Brunnenwasser im Hof zeigt sich von seiner schlechten Seite. Wenn wir zureckkommen haltet bitte die Badewanne bereit! Ihr koennt auch kaltes Wasser benutzen. Kein Problem. Wir sind da laengst abgehaertet.
Wir wissen schon gar nicht mehr, wann wir zum letzten mal Internet hatten. Zuletzt kamen wir immer erst bei Dunkelheit aus dem Krankenhaus. Da lediglich Peter die Patienten – mit unserer mehr oder weniger produktiven Hilfe abarbeitet, dauert das ganze dementsprechend lange. Man muss aber zugeben, dass wir einiges von ihm lernen und er sich wirklich Zeit nimmt.
Seit Sonntag haben wir auch im Guesthouse Zuwachs bekommen. Manuel, ein weiterer deutscher Student hat sich zu uns gesellt. Zusammen haben wir etwas Halbwissen und schlagen uns durch den Lugala-Klinikalltag.
Was haben wir seit einer Woche erlebt? Nach unserem selbstaendigen Einkauf in Malyni am letzten Wochenende freuten wir uns auf ein leckeres Abendessen der afrikanischen Kueche. Also schnippelten wir das das Zeug halt und liessen das Essen gefuehlte Ewigkeiten koecheln… Und es wurde und wurde nicht richtig weich… Am Ende gabs naemlich statt unserem geliebten Mangold gekochten Salat… So gut ist unser Swahili also doch noch nicht…
Deshalb haben wir auch am Sonntag beschlossen Manuel vor unserem Kochkuensten zu schonen und sind stattdessen mit Mikali- der Fahrer des Krankenhauses, unserem lieben Nachbarn Joshua und Manuel nach Malyni gefahren. Es gab Chipsi Mayai (Marinas absolutes Lieblingsessen). In einem Restaurant in Malyni. Gleichzeitig nutzten wir die Gelegenheit Wasser zu kaufen. Heute am Freitag sieht das ganze schon ganz gut aus. Vielleicht koennen wir noch eine ordentliche Dusche nehmen, bevor wir uns am 23.8. in RIchtung Daressalam begeben. Bis jetzt gucken aber noch Bienenbeinchen durch den Duschkopf… Na ja pole, pole! Wird schon irgendwie.
Montag ging es wie jede Woche zur grossen Visite. Die Besonderheit Peter war die ganze Zeit dabei. Dadurch ging das ganze auch ein wenig zuegiger. Wir fuchsten uns durch die einzelnen Zimmer, bis wir zu einem kleinen Kind kamen, welches wie ein Hauefchen Elend in den Armen seiner Urgrossmutter lag. Die Mutter hatte sich aus dem Staub gemacht. Und die bibi (Oma) gab ihr bestes. So wie das immer Omas machen. Aber die Mutter ersetzen kann sie eben nicht. Das Kindchen ist total unterernaehrt. Und peter meinte, wir koennten es sofort zu uns nehmen und aufpepeln. Das haette er schon viele Male getan und die Kinder dann in einem guten Zustand wieder in die Familie gegeben. Die Uroma wollte mit dem kleinen nach Hause. Haette Peter das jetzt zugelassen, dann waere das Kind sehr bald gestorben.
Ein weiteres Kind, welches definitiv in absehbarer Zeit sterben wird, war ein kleiner 4jaehriger Junge. Beide Eltern sind positiv. Da es aus dem Stamm der Sukuma kommt, ist es nicht verwunderlich, dass der Vater noch 3 andere Frauen hat… und die wiederum ebenfalls Kinder… Das arme kleine Ding war total aufgeblaeht, hat ueberall Oedeme und wimmert vor sich hin. Sein kleines Geschwisterchen sah ganz gut aus. Wir hoffen sehr, dass sich dieses nicht angesteckt hat… Die Chance ist ja nicht ganz so gering. Man sieht so manches Schicksal, aber wir kommen gut damit zurecht. Und wir hoffen, dass wir dem ein oder anderen Patienten helfen konnten.
Da Peter ja mit uns alleine Vorlieb nehmen musste, arbeiteten wir viel am Patienten und vor allem LANGE!!! Bis zur Dunkelheit ist quasi schon normal. Deshalb setzte sich Marina am Dienstag kurzzeitig ab und verschwand in den Administrationsblock um unsere Safari zu organisieren… Irgendwann klingelte Katharinas Handy “Hallo, kannst du mal kommen und nen Schluessel mitbringen? Ich bin eingesperrt und komm hier nicht mehr raus…” Marina konnte nur noch im Dunkeln mit Handytaschenlampe durch die Gitterstaebe leuchten und hoffen, dass sie jemand fand. Letztendlich endete das ganze im Guten und Marina musste nicht bei den Fledermauesen schlafen.
So viel erst einmal zum ersten Teil der Woche. Der Rest folgt heut spaeter
marimarii am 17. August 12
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