Mittwoch, 22. August 2012
Kwa heri!
Man, man, man die Zeit ist wie im Flug vergangen. Ehrlich gesagt kommt es uns heute auch noch nicht so vor, als ob wir morgen von hier abreisen… Doch Drei Uhr (also noch mitten in der Nacht) werden wir uns auf den Weg nach Ifakara machen. Die Fahrt wird ca. 5 Stunden dauern.
Aber zunaechst ersteinmal werden wir unseren letzten Abend in Lugala geniessen. Bereits Montag wurden wir zum Essen eingeladen. Elias’ Familie besitzt das Embassy, in dem wir schon mehrmals diniert haben. Zu Marinas Freude gab es Fisch aus dem Kilombero. Sogar das Gemuese schmeckte danach. :) Da aber extrem viel aufgetischt wurde, hatte sie genuegend Ausweichmoeglichkeiten.
Gestern luden wir zu Tisch ins Guesthouse ein. Es gab Passstaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Hannah hatte uns aus Daressalam Nudeln mitgebracht. Wir kalkulierten grosszuegig und kochten 3 Toepfe Nudeln und eine Rieseportion Tomatosauce a la Florida. Dr. Peter, Joshua, Elias, Sandrine und Manuel waren von der Partie. Gekroent von echtem SCHWEIZER Kaese genossen wir den Abend.
Zu guter Letzt werden wir heute von Joshua bekocht. Er hat extra seinen groessten Erpel fuer uns geschlachtet. Also uns geht es doch sehr gut hier, oder?
Da wir ja eigentlich zum Arbeiten hier sind noch ein paar Informationen bezueglich unseres wissenschaftlichen Fortschritts. Der heutige Tag war ein kroenender Abschluss. Marina uebte sich in der Lokalanaesthesie und Katharina assistierte bei zwei Kaiserschnitten. Bei einer Geburt kamen sogar Zwillinge zur Welt. Ausserdem sahen wir Wucheri bancrofti.. bzw. dessen Riesenresultat.
Freut euch auf schoene bzw. viele Bilder!
Um euch mal einen kleinen Einblick bezueglich unseres Urlaubes zu geben: Samstag kommen Guido und Linda an. Beginn naechster Woche gehts dann auf in den Norden vorbei am Kilimandscharo zu zwei Tagen Safari. Nach einer erneuten Nacht in Daressalam fliegen wir nach Stonetown auf Sansibar und werden Sommer, Sonne, Strand und Meer geniessen. Braungebrauent kommen wir am 10. September wieder zu Hause an und freuen uns schon sehr auf euch!
Zum Schluss noch ein paar Worte als Resumee: Wir wuerden definitiv nocheinmal diesen Schritt wagen und uns in den Busch vorkaempfen. Auch wenn die Kultur hier sehr anders ist, so wurden wir mit offenen Armen und viel Freundlichkeit empfangen. Wir waren 4 Tage untewegs ehe wir muede und kaputt in Lugala ankamen. Doch wenn man die Oase hier sieht, vergisst man schnell die Strapazen. Wir haben uns beide vorgenommen wiederzukommen. Wann ist natuerlich noch ungewiss. Aber hoffentlich wird es in Begleitung von so manch anderem sein…
Auch wenn wir mit der ein oder anderen Einstellung zu kaempfen hatten, es war eine schoene Zeit und wir haben definitiv sehr viel gesehen und gelernt!
Trotz der aufregenden Wochen freuen wir uns auf zu Hause. Aber die eine zaehlt die Tage bis zum Rueckflug und die andere erwartet sehnsuechtig Samstag. :)
Wir wissen nicht, in wieweit wir Internetzugang im Urlaub haben werden. Deshalb sagen wir einfach mal kwa heri und bis bald!



Sonntag, 19. August 2012
Kulinarisches Wochenende!
So ihr lieben, unser letztes Wochenende in Lugala ist fast vorbei.
Gestern hatten (oh Schreck!) kein Brot. Also gings zum Brunch nach Malyni! Und ratet mal was es gab… Wie sollte es anders sein Chipsi MAAAAAYAAAIIII !!! :) Aber keine Angst, dies wird nicht das afrikanische Gericht sein, was wir euch kochen werden, wenn wir wieder in der Heimat sind :)
Wir sattelten also gestern gegen Mittag die Pferde bzw. liefen zu Fuss in Richtung Malyni. Dr. Peter holte uns aber ein und hielt einen belehrenden Vortrag ueber die Sonneneinstrahlung und ueber abgefallene Nasen und Ohren nach uebermaessigem UV-Konsum in Afrika. Also liefen Manuel, Katharina und Marina brav zurueck ins Guesthouse um sich mit Sonnenmilch und Hut bewaffnet durch den Busch zu schlagen. Der liebe Peter zeigte uns naemlich einen Trampelpfad, der nur halb so lang war wie die Strecke, die wir bisher kannten. Marina stampfte also laut vor sich hin, um eventuell vorhandene Schlangen von sich fern zu halten. Vorbei am Riesen-Baumwollbaum, vielen Plantagen, Palmen und kleinen Lehmhaueschen kamen wir in Malyni am Fussballfeld an. Wir liefen einfach in den Ort hinein, bis wir schliesslich das ein oder andere Haus wiedererkannten und so zum Chipsi-Restaurant bzw zum Markt fanden.

Dort gab es zu unserer Freude Papayas und Melonen, die wir ohne grosse Ueberlegungen kauften. Leider war der Rucksack nun schon voll und wir mussten noch doch Wasser kaufen… Zum Glueck trafen wir Peters Frau, die uns gerne wieder mit nach Lugala nahm.
Am Abend trafen gestern Hannah und die Pharmazeutin aus der Schweiz in Lugala ein. Ihre Einkauefe bestaunten wir wie kleine Kinder an Weihnachten ihre Geschenke. Bananen ueber Bananen, Paprika, Mangos, Moehren, Nudeln und Marmelade! Die neue Woche kann also beginnen!
Derweilen haben wir bereits am Freitag von der Schneiderin cassava (Maniok) und Kochbananen geschenkt bekommen! Man sieht also, uns geht es gut, wenn das ein oder andere schwer zu bekommen ist. Irgendwie findet man sich in Afrika immer zurecht bzw. es ist immer jemand da, einem zu helfen und einem etwas gutes zu tun. So bekamen wir beispielsweise gestern Abend leckeres gebratenes Schweinefleisch mit Bananen vom Clinical Officer Elias. Lecker! Was anderes konnten wir dazu nicht sagen!
Am heutigen Tage werden wir uns aber selber bekochen. Wir haben ja gerade ordentlich Vorrat!
Heut morgen waren wir nun endlich zu einem Sonntagsgottesdienst. Wir wohnen schliesslich gegenueber der Kirche. 10 Uhr began der Gesang, der wirklich sehr sehr schoen ist! Zu unserem Leid verstanden wir groesstenteils NIX. Die Messe dauerte ueber zwei Stunden und die Lieder machten nur so ca. 10 Prozent aus… Nach der Kirche stellte man sich Maennlein und Weiblein getrennt voneinander vor der Kirche im Halbkreis auf. Nun wurden Bananen, Kokosnuesse, Kekse, Seife und andere Utensilien versteigert. Der Erloes soll der Kirche zu Gute kommen. Nach jeder Versteigerung gab man Laute von sich, ungefaehr so: “EIEIEIEIEIEIIEIEIIIIIIIIIII” :)
Leider ist es heute nicht so sonnig wie bei euch zu Hause. Wir haben beschlossen nun wirklich nicht staendig zu sagen, dass wir Sonnenstrahlen nach Hause senden. Wir wollen schliesslich endlich mal ein wenig braun werden! Peter hat uns schon ausgelacht, wie kaeseweiss wir fuer einen Monat Afrika noch sind… Aber die Antwort liegt auf der Hand- Es liegt an unserem Engagement. Wir arbeiten ja den ganzen Tag bis zur Dunkelheit :) Und etwas gutes hat es ja, uns fallen daher nicht Nase und Ohren ab!
In diesem Sinne passt auch ihr auf euch auf, wenn ihr schon all unsere Sonenstrahlen habt! Kwa heri!

PS: da das mit den Bildern endlich mal funktioniert anbei ein paar Fotos der letzten Wochen:
hier seht ihr den kleinen afrikanischen Konrad
wir mit Joshua, unserem Nachbarn, Vermieter, Freund und Helfer
bloss gut, dass es Gummistiefel gibt!



Freitag, 17. August 2012
Mzungu-story TEIL 2
Im Laufe der Woche konnte jeder von uns assistieren und sich im Naehen austoben. Marina half eine Riesenzyste in der Groesse eines Handballs zu entfernen. Aber die schoenste OP war die OP bei einem Darmverschluss. Katharina und Manuel waren schnurstracks aus dem Saal verschwunden. Dem Geruch und der Katastrophe im Saal nach zu urteilen war es genau das Richtige! Es schwappte nur so aus dem Patienten... :) Bloss gut, dass man hier im OP Gummistiefel tragten kann!
Katharina stand am Tisch bei einem Notkaiserchnitt. Ruckzuck war das Kind draussen. Allerdings atmete es nicht. Doch statt vorher wie normal alles bereit gestellt zu haben, musste die Hebamme mit dem Neugeborenen durchs halbe Krankenhaus in die Maternaty rennen… Marina machte ihr Dampf unterm Hintern. Allerdings ist das “Pole, Pole” so stark in die Menschen hier eingebrannt, dass es in einer fuer uns unvollstellbaren Langsamkeit vorwaerts ging. Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass es das Kind geschafft hat. Wir werden gleich noch einmal in die Maternaty gehen und schauen, wie es ausschaut.
Gestern haben wir dort auch das erste verstorbene Baby gesehen. Ein paar Tage nach der Geburt war es wahrscheinlich an 6 Malariaparasiten und dessen Begleiterscheinungen (z.B. Unterzuckerung) gestorben. Die Oma band sich das Kind um die Brust und trug es davon. Was mit ihm geschehen ist, wissen wir nicht.
Nun sind es noch ein paar Tage und unser Praktikum ist vorbei. Gewonnen haben wir so einiges: medizinisches Wissen, Lebensweisheiten, mit wenig auskommen und vor allem dankbar, fuer unsere Herkunft zu sein. Immer wieder hoeren wir, wie gluecklich wir uns schaetzen koennen.
Fuer heute nehmen wir uns vor, zeitiger aus dem Krankenhaus zu verschwinden. Unser letztes Wochenende steht bevor. Mal sehen, ob wir den ein oder anderen Hippo zu Gesicht bekommen.
Jetzt gehen wir ersteinmal zu unserer Schneiderin. Wir haben es die ganze Woche nicht geschafft zu ihr zu gehen. Und in der Dunkelheit wollten wir auch nich quer Feld ein laufen :)
Wir wuenschen euch ein schoenes Wochenende! Meldet euch zahlreich bei uns! Noch 24 Tage!
PS: Die ersten Nahrungswuensche fuer zu Hause sind eingetroffen: Lieber Konrad, bitte koche mir gefuellte Champignons mit Kartoffelbrei! Und liebe Oma Diddi, ich wuensche mir Nudeleintopf mit hausgemachten Nudeln nach Familienrezept! DAAAAAAAANKE! :) Katharina
PPS: Marina hat bisher nur Brechreiz von der Kokossosse. Essenswuensche werden folgen.



Mzungu-story TEIL 1
Zunaechst ersteinmal: Uns geht es ganz gut. Doxy zeigt seine zwar ein wenig seine Nebenwirkungen und das Wasser ist noch immer stinkend und ab und an mit Bienen versetzt. Ihr glaubt gar nicht, wie sparsam wir leben. Zum Duschen sind 1 Liter und Duschen mit Haare waschen (gilt nur fuer Personen mit langen Haaren) sind max. 4 Liter erlaubt. Denn wir haben noch ein wenig sauberes Wasser in der Riesentonne in unserem Badezimmer. Zum Trinken und Zaehneputzen koennen wir auch noch nicht wieder das Wasser vom Filterkanister in der Kueche nehmen. Leider ist seit gestern wieder teilweise selbst das stinkende Wasser alle und nix kommt mehr aus der Leitung. Das macht so manche notwendige Aktivitaet im Badezimmer zu einer grossen Herausforderung… Denn auch das Brunnenwasser im Hof zeigt sich von seiner schlechten Seite. Wenn wir zureckkommen haltet bitte die Badewanne bereit! Ihr koennt auch kaltes Wasser benutzen. Kein Problem. Wir sind da laengst abgehaertet.
Wir wissen schon gar nicht mehr, wann wir zum letzten mal Internet hatten. Zuletzt kamen wir immer erst bei Dunkelheit aus dem Krankenhaus. Da lediglich Peter die Patienten – mit unserer mehr oder weniger produktiven Hilfe abarbeitet, dauert das ganze dementsprechend lange. Man muss aber zugeben, dass wir einiges von ihm lernen und er sich wirklich Zeit nimmt.
Seit Sonntag haben wir auch im Guesthouse Zuwachs bekommen. Manuel, ein weiterer deutscher Student hat sich zu uns gesellt. Zusammen haben wir etwas Halbwissen und schlagen uns durch den Lugala-Klinikalltag.
Was haben wir seit einer Woche erlebt? Nach unserem selbstaendigen Einkauf in Malyni am letzten Wochenende freuten wir uns auf ein leckeres Abendessen der afrikanischen Kueche. Also schnippelten wir das das Zeug halt und liessen das Essen gefuehlte Ewigkeiten koecheln… Und es wurde und wurde nicht richtig weich… Am Ende gabs naemlich statt unserem geliebten Mangold gekochten Salat… So gut ist unser Swahili also doch noch nicht…
Deshalb haben wir auch am Sonntag beschlossen Manuel vor unserem Kochkuensten zu schonen und sind stattdessen mit Mikali- der Fahrer des Krankenhauses, unserem lieben Nachbarn Joshua und Manuel nach Malyni gefahren. Es gab Chipsi Mayai (Marinas absolutes Lieblingsessen). In einem Restaurant in Malyni. Gleichzeitig nutzten wir die Gelegenheit Wasser zu kaufen. Heute am Freitag sieht das ganze schon ganz gut aus. Vielleicht koennen wir noch eine ordentliche Dusche nehmen, bevor wir uns am 23.8. in RIchtung Daressalam begeben. Bis jetzt gucken aber noch Bienenbeinchen durch den Duschkopf… Na ja pole, pole! Wird schon irgendwie.
Montag ging es wie jede Woche zur grossen Visite. Die Besonderheit Peter war die ganze Zeit dabei. Dadurch ging das ganze auch ein wenig zuegiger. Wir fuchsten uns durch die einzelnen Zimmer, bis wir zu einem kleinen Kind kamen, welches wie ein Hauefchen Elend in den Armen seiner Urgrossmutter lag. Die Mutter hatte sich aus dem Staub gemacht. Und die bibi (Oma) gab ihr bestes. So wie das immer Omas machen. Aber die Mutter ersetzen kann sie eben nicht. Das Kindchen ist total unterernaehrt. Und peter meinte, wir koennten es sofort zu uns nehmen und aufpepeln. Das haette er schon viele Male getan und die Kinder dann in einem guten Zustand wieder in die Familie gegeben. Die Uroma wollte mit dem kleinen nach Hause. Haette Peter das jetzt zugelassen, dann waere das Kind sehr bald gestorben.
Ein weiteres Kind, welches definitiv in absehbarer Zeit sterben wird, war ein kleiner 4jaehriger Junge. Beide Eltern sind positiv. Da es aus dem Stamm der Sukuma kommt, ist es nicht verwunderlich, dass der Vater noch 3 andere Frauen hat… und die wiederum ebenfalls Kinder… Das arme kleine Ding war total aufgeblaeht, hat ueberall Oedeme und wimmert vor sich hin. Sein kleines Geschwisterchen sah ganz gut aus. Wir hoffen sehr, dass sich dieses nicht angesteckt hat… Die Chance ist ja nicht ganz so gering. Man sieht so manches Schicksal, aber wir kommen gut damit zurecht. Und wir hoffen, dass wir dem ein oder anderen Patienten helfen konnten.
Da Peter ja mit uns alleine Vorlieb nehmen musste, arbeiteten wir viel am Patienten und vor allem LANGE!!! Bis zur Dunkelheit ist quasi schon normal. Deshalb setzte sich Marina am Dienstag kurzzeitig ab und verschwand in den Administrationsblock um unsere Safari zu organisieren… Irgendwann klingelte Katharinas Handy “Hallo, kannst du mal kommen und nen Schluessel mitbringen? Ich bin eingesperrt und komm hier nicht mehr raus…” Marina konnte nur noch im Dunkeln mit Handytaschenlampe durch die Gitterstaebe leuchten und hoffen, dass sie jemand fand. Letztendlich endete das ganze im Guten und Marina musste nicht bei den Fledermauesen schlafen.
So viel erst einmal zum ersten Teil der Woche. Der Rest folgt heut spaeter